"Es gibt keine Wege. Wege entstehen beim Gehen." (Antonio Machado) - Zum sechsten Mal auf dem Jakobsweg unterwegs

17.06.2019 11:03:57 | Ann-Kristin Kahler
Nachdem sich bereits in den letzten fünf Jahren OberstufenschülerInnen des Mauritius-Gymnasiums von München aus auf den Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostela in Nordspanien aufgemacht haben, wurde die Wanderung dieses Jahr in der "Confoederatio Helvetica" fortgesetzt. Über das Christi-Himmelfahrts-Wochenende vom 30.05.-04.06.2019 machten sich wieder 16 AbiturientInnen sowie ehemalige MauritianerInnen auf, um zusammen mit Herrn Schmidt und seiner Frau auf dem Jakobsweg zu pilgern. Dabei mussten auch auf der 6. Etappe, die dieses Jahr von Fischingen bis zum Vierwaldstättersee (beides Schweiz) führte, wieder zahlreiche Kilometer bewältigt werden.

Wie zu besten Zeiten im Mittelalter, als die Wallfahrtsbewegung ihren Zenit erreichte, zieht es auch noch heute eine Vielzahl an Gläubigen auf den Jakobsweg mit dem Ziel im Nordwesten der Iberischen Halbinsel: Santiago de Compostela. Die Gründe für das Erwachen der mehr als 1000 Jahre alten Tradition sind vielfaltig. Sie reichen von sportlichem Ehrgeiz und passionierter Wanderlust über energischen Glaubensansporn bis hin zum sogenannten „Hape-Effekt“ des „Ich bin dann mal weg.“ – einer Auszeit vom Alltagstrott und der Möglichkeit, sein Leben neu auszurichten.

Und so trat auch das Mauri vor einigen Jahren die Reise auf dieser Pilgerroute an, welche bestens mit stilisierten Muschelzeichen und gelben Pfeilen auf Hauswänden, Felsvorsprüngen und Baumstämmen gekennzeichnet ist.
Zu Beginn der Fahrt ging es per Bus mit „Sack und Pack“ in Richtung Fischingen, wo die diesjährige Pilgeretappe startete. Hier gab es eine kleine Einsegnungsfeier in der St. Idda-Kapelle des Klosters, wobei die Jakobsmuscheln und Pilgerpässe überreicht wurden. Anschließend begann auch schon der erste Aufstieg mit zahlreichen Höhenmetern.

Herr Schmidt mit Schild

Neben einer beschwerlichen, aber auch eindrucksvollen Tour durch das malerische Helvetien boten „Meditationsrunden“, tägliche religiöse Morgenimpulse sowie das Knüpfen neuer Kontakte und der Austausch untereinander die Möglichkeit zum Innehalten und Reflektieren. Selbstverständlich durfte auch der Spaß wieder einmal nicht zu kurz kommen: Es wurde viel gesungen, zusammen gelacht, und falls es irgendwelche Probleme gab, diese zusammen gelöst und keiner im Stich gelassen. Vieles Nebensächliche wurde beim Pilgern losgelassen und die Grundbedürfnisse wurden einem bewusst: Man entdeckt, mit wie wenig man im Leben auskommen kann. Wir Wanderer wurden zu Pilgern!
 
Viele TeilnehmerInnen waren bereits zum wiederholten Mal dabei: Während die einen gerade erst ihre Abiturprüfungen hinter sich gebracht hatten, wollten die anderen einfach mal eine Auszeit vom Alltag.
Neben den gewöhnlichen Jugendherbergen hatten die WallfahrerInnen zudem auch mal die Chance auf eine Übernachtung im Stroh sowie in einer Pilgerunterkunft, Almhütte oder einem Kloster. Außerdem bot sich die Möglichkeit, in dem erfrischenden Wasser des Züricher- und Vierwaldstättersees zu schwimmen und die lahmen Füße zu kühlen. Die vielen Blasen und Schmerzen waren die Erfahrungen aber auf jeden Fall wert, so der allgemeine Tenor der SchülerInnen. Highlights dieser Etappe dürften dabei vor allem die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Alpenrepublik gewesen sein, wie die Seepromenade in Brunnen vor der aufragenden Kulisse der Rütliwiese – der „Wiege der Schweiz“ – samt Berge.

Übernachtung im Stroh

Die diesjährige Etappe ließ die Gruppe dann schließlich mit einem kleinen Gottesdienst in der Pilgerherberge des Klosters Ingenbohl ausklingen, um anschließend, um einige persönliche Erfahrungen reicher, die Rückkehr mit dem Bus Richtung Heimat anzutreten. Und obwohl es einige Bus- sowie Busfahrerprobleme gab, erreichten alle Pilger wohlbehalten das Bürener Land.

Auch dieses Jahr war es also wieder eine aufregende Pilgerfahrt, die die ganze Gemeinschaft noch stärker zusammenwachsen ließ und auf jeden Fall wiederholt werden sollte. Ein Grund, warum ein Großteil der TeilnehmerInnen auch jetzt schon zugesagt hat, nächstes Jahr wieder mitzufahren. Wir hoffen, dass sich diese Tradition halten wird, damit auch nächstes und übernächstes Jahr, im Heiligen Jakobusjahr 2021, eine neue Gruppe den Weg in Richtung Santiago de Compostela fortsetzen kann.

Gruppenfoto am Gipfelkreuz

Ein herzliches Dankeschön geht an das Erzbistum Paderborn und die MAGIS-Stiftung, die diese besondere Wanderung gefördert und bezuschusst und somit auch erst ermöglicht haben.
 
Annika Mehring, Abiturientia 2019